Sind wir Sexbesessen ?
Dania Schiftan (26) war selbst überrascht: «Am meisten davon, wie zufrieden die Schweizer mit dem Sex sind, den sie kriegen.» Die Berner Psychologie-Studentin hat die grösste akademische Untersuchung über das Sexualverhalten in der deutschsprachigen Schweiz geplant und durchgeführt.
15 000 Menschen – vom Teenager bis zum Rentner – füllten ihren Fragenkatalog im Internet aus. Rund 6500 wertete Schiftan schliesslich für ihre Lizenziatsarbeit an der Universität Bern aus. «Weil die Menschen anonym waren, haben sie die intimen Fragen ehrlicher beantwortet, als wenn sie es unter ihrem Namen hätten tun müssen», glaubt Schiftan.
Die spannendsten Resultate
Zwei Drittel der Männer und drei Viertel der Frauen fühlen sich «sehr wohl» in ihrer Partnerschaft.
Die befragten Paare haben durchschnittlich ein- bis dreimal Sex pro Woche.
«Je länger eine Beziehung dauert, desto weniger kommt es zum sexuellen Akt», sagt Schiftan. Dies zeigten andere Studien.
Fast alle Männer onanieren. Fast alle Frauen ebenfalls.
Frauen gehen seltener fremd als Männer. Und wenn, dann häufig nur mit einem weiteren Partner; Männer hingegen haben oft mehrere Affären.
Männer sehnen sich generell nach mehr Sexualität, Frauen sind mit ihrer Sexualfrequenz zufrieden.
Frauen sind weniger eindeutig heterosexuell als Männer. Sie stehen gleichgeschlechtlichen Abenteuern offener gegenüber.
Frauen machen früher sexuelle Erfahrungen als Männer; weit über 50 Prozent der Befragten zum ersten Mal vor ihrem 16. Geburtstag.
Frauen werden – auch in der Ehe – häufiger zu sexuellen Handlungen gezwungen als Männer.
Frauen nennen Orgasmusschwierigkeiten als primäres sexuelles Problem.
Schiftan: «Möglicherweise messen Frauen dem Orgasmus einen zu hohen Stellenwert bei und nehmen sein Ausbleiben als Problem wahr.» Das könnte im Zusammenhang damit stehen, dass Frauen öfter über sexuelles Desinteresse klagen.